Initiative Endlich Wieder Hören

Initiative Endlich Wieder Hören

Botschafterin Laurence aus Luxemburg-Stadt

Laurence, 58 Jahre aus Luxemburg-Stadt ist Englisch Lehrerin an einem Lycée Technique.
Im April 2010 und Februar 2011 wurde sie mit zwei Mittelohrimplantaten versorgt.

Laurence ist Botschafter weil:

Ich wollte seit der Aktivierung des ersten Implantats andere Patienten ermutigen, vom Hörgerät auf ein Implantat umzusteigen. Meiner Meinung nach sorgen Hörgeräte in vielen Fällen für keine Verbesserung der Hörqualität. Ich persönlich habe es lange Jahre mit einem Hörgerät versucht, was mir aber leider nichts gebracht hat. Ich möchte Betroffenen sagen, dass ein Implantat ein anderes, schöneres und lebendigeres Leben ermöglichen kann, das man sich in dieser Dimension gar nicht vorzustellen vermag.

Erfahrungsbericht Laurence

1. Wie stark ist dein Hörverlust? Wann und warum ist dein Hörverlust aufgetreten?
Ich leide rechtsseitig unter einem Hörverlust von 50% und linksseitig unter einem Hörverlust von 40%. Über den Ursprung herrscht Rätselraten. Manche meinen, ein Unfall in der Kindheit (Treppensturz) war die Ursache, andere sind der Meinung, es sei eher angeboren.

2. Wie hast du persönlich den Hörverlust empfunden?
Ich hatte leider keine Geschwister und auch keine Freunde. Man war darauf bedacht, den Hörverlust bedeckt zu halten (‘Du darfst niemandem etwas sagen’). In der Schule saß ich in der ersten Reihe. Meine Lehrer waren informiert, die Klasse jedoch nicht. Es gab leider fast nur Freizeitaktivitäten, bei denen man hören musste weshalb ich sehr viel gelesen habe.

3. Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder der Familie unterstützt?
In meiner Kindheit war das mit der Unterstützung sehr schwierig: Die Hilfe bestand darin, dass man mir zwei Hörgeräte aufsetzte und mir sagte, das sei nun so. Ich habe sie dann irgendwann im Klo versenkt. Meine Studienzeit habe ich mit viel Hilfe von Lehrern und Freunden ohne Geräte geschafft. Bis ich angefangen habe zu arbeiten und feststellen musste, dass es ohne Hörgeräte nicht ging.

4. Wann und wie hast du von der Möglichkeit eines Hörimplantats erfahren?
Eine Freundin erzählte mir, ihre Schwester hätte da einen Bericht über ein Implantat gesehen. Daraufhin habe ich ‘Mittelohrimplantat’ gegoogelt und in der Liste der Krankenhäuser das Mutterhaus gefunden. Da ich schon zwei Jahre vorher einmal im Mutterhaus war, um leider erfolglos eine Lösung zum Thema Hörgeräte zu finden, habe ich den zuständigen Arzt einfach per Mail angeschrieben. Ich bekam noch am gleichen Tag eine Antwort.

5. Was ist für dich das Schönste am wieder hören können?
Darüber müsste man ein ganzes Buch schreiben. Was ich am meisten genieße ist die Musik. Ich war schon immer sehr daran interessiert, aber mir war klar, dass das was ich hörte, begrenzt war. Ich wusste, da ist etwas ganz anderes, eine andere Welt. Wenn ich diese Welt auch nur ein paar Tage kennengelernt hätte, wäre es die Operation wert gewesen. Seit meiner Implantation besuche ich sehr viele Konzerte und höre jetzt auch oft Musik ohne die sonst üblichen Kopfhörer. Ich kann mit anderen Leuten Fernsehen oder ins Kino gehen. Ins Theater habe ich mich bisher noch nicht gewagt.

6. Wie hat sich das Thema Hören auf dein Leben und deine Karriere ausgewirkt? Was hat sich durch das Implantat verändert?
Bei mir haben die Implantate einen sehr großen Einfluss auf meinen Beruf als Lehrerin. Ich musste mir immer mit sehr vielen Krücken aushelfen (z.B. Lippenlesen, sehr detaillierte Vorbereitungen etc.), um einen ordentlichen Unterricht zu bieten. Jetzt muss ich mich nicht mehr so anstrengen und kann ohne Probleme improvisieren. Ich denke, ich habe mich als Lehrerin enorm verbessert. Ich bin auch viel geduldiger geworden, weil ich nicht mehr so überanstrengt bin.

Auf mein Leben hat das Implantat natürlich einen massiven Einfluss genommen. Ich kann überall mitreden, mitmachen, mithören. Manchmal höre ich sogar für meine Begriffe zu viel und schalte ab. Meine Mittelohrimplantate werden zehn Sekunden nach dem Aufwachen aktiviert, und eine Minute vor dem Einschlafen abgenommen. Ich fühle mich ohne sie wie amputiert, und werde schon nach ein paar Minuten nervös und unsicher.

Meine große Leidenschaft, das Musikmachen, ist viel einfacher geworden, auch wenn es am Anfang schwieriger war. Es ist immer noch schwierig für mich, mich einfach auf das, was ich höre zu verlassen und die Unsicherheit abzulegen.

Ich genieße immer noch jeden einzelnen Ton, den ich höre und den ich früher nicht gehört habe: die Türklingel, das Piepsen elektrischer Apparate, Kirchturmglocken, das Brummen von Automotoren, das Tropfen von Wasserhähnen, das Zischen von Sprudelwasser, Magengegrummel, den Anschlag von Tastaturen, das Gurgeln von Wasser in meiner Trompete, Vögelgezwitscher, miauende Katzen, das Summen böser Moskitos, unterdrücktes Schülergekicher, das Kratzen von Federhaltern oder Parkettknarren.

Ich fühle mich jetzt erst als Teil meiner Umwelt. Vorher war ich immer in einer ‘Bubble’, in einer Welt für mich allein, von der aus ich die andere Welt beobachtete. Ich wollte ein Teil dieser Welt sein, fand aber keinen Weg aus dieser Bubble. Nach der Aktivierung der Implantate hat sich die Bubble aufgelöst und ich befand mich, auf fast märchenhafte Art und Weise, in der anderen Welt wieder. Und sie war so schön wie geahnt - ich hatte es gewusst, auch wenn ich es eigentlich nicht wissen konnte.

7. Wie erging es dir nach der Implantation?
Ich persönlich habe keine Reha-Maßnahmen in Anspruch genommen und wurde quasi ohne größere Vorwarnung ‘ins Leben entlassen’. Aber ich denke, das ist ein Abenteuer auf das man sich einlassen muss. Theoretisch können natürlich auch CI Reha Materialien verwendet werden. Viele VSB-Träger benötigen laut eigener Aussage gar keine Reha-Maßnahmen.

8. Was möchtest du Betroffenen und Angehörigen mit auf den Weg geben?
Ich persönlich kann nur sagen: Weg mit den Hörgeräten! Meiner Meinung nach hat ein Implantat nichts mit einem Hörgerät gemeinsam, außer dass es auch mit Batterien funktioniert. Ich habe 30 Jahre lang Hörgeräte getragen und kein einziges hat mir wirklich geholfen. Mit der Operation haben sich für mich praktisch von einem Tag auf den anderen alle Probleme in Luft aufgelöst.