Initiative Endlich Wieder Hören

Initiative Endlich Wieder Hören

Fachbeirat Dr. med. Michael Lerch, MBA

Helios-Kliniken Schwerin, Abt. für Akutgeriatrie und Frührehabilitation

Altersmedizin, Neurologie, Schwerpunkt: Versorgung von schwerhörigen, betagten und hochbetagten Patienten, Spannungsfeld Schwerhörigkeit und Demenz

Dr. med. Michael Lerch, MBA ist Fachbeirat weil:

Ältere, schwerhörige Patienten werden im klinisch stationären Alltag aufgrund der beeinträchtigten Kommunikationsfähigkeit bezüglich ihrer Alltagskompetenz und ihrer „geistigen Frische“ oft falsch eingeschätzt. Die Schwerhörigkeit steht als Risikofaktor für die Entwicklung und/oder Verstärkung einer dementiellen Erkrankung, das Auftreten von Depressionen und ein erhöhtes Sturzrisiko. Dadurch können das Maß der Teilnahme am sozialen Leben und die Fähigkeiten zur selbstständigen Lebensführung zusätzlich verringert werden. Es gilt in der Altersmedizin, Hand in Hand mit der HNO und dem Hörgeräteakustiker zu gehen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit der Initiative Endlich Wieder Hören möchte ich gerne mit meinem Fachwissen unterstützen.

Für Dr. med. Michael Lerch, MBA bedeutet die Initiative:

Die Initiative Endlich Wieder Hören möchte Patienten und ihre Angehörigen über die Versorgung mit Hörimplantaten aufklären, bestehende Ängste und Vorurteile abbauen. Dies ist gerade bei älteren Patienten notwendig, die noch nicht ausreichend über die bestehenden Möglichkeiten einer Hörhilfenversorgung informiert sind. Ich hoffe, dass die Initiative besonders ältere Patienten dazu ermutigen kann, sich über die Versorgung mit Hörimplantaten zu informieren und die Chancen für eine aktivere Teilnahme an der Kommunikation zu gewinnen.

Hörverlust im Alter bedeutet nicht das Ende

Derzeit leben weltweit rund 360 Millionen Menschen* mit Hörverlust, darunter ca. 300 Millionen altersbedingt. Mehr als 50 Prozent der Erwachsenen mit mittlerem Hörverlust sind über 65 Jahre alt. Die Altersschwerhörigkeit hat häufig typische Erscheinungsformen. Die Ursachen sind unterschiedlich: Umweltfaktoren oder genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Was viele nicht wissen: Der Verlust an Lebensqualität mit zunehmendem Hörverlust ist vergleichbar mit der nachlassenden Lebensqualität bei einer beginnenden dementiellen Erkrankung. Leider akzeptieren viele Betroffene aber die Tatsache, Gespräche, Musik und die vielen Alltagsgeräusche nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrnehmen zu können.

Wie macht sich Hörverlust im Alter bemerkbar?
Bei Altersschwerhörigkeit, auch Presbyakusis genannt, können Betroffene zunächst hohe Töne nicht mehr wahrnehmen. Das bedeutet, dass sie feine Konsonanten wie „s“, „f“, „d“ und „t“ kaum unterscheiden können. Vor allem in einer lauteren Umgebung fällt das Verstehen schwer, so dass eine Unterhaltung als äußerst anstrengend empfunden wird. Die nachlassende Fähigkeit Informationen zu „hören“, schränkt die eigene Kommunikationsfähigkeit immer mehr ein. Der Wortschatz wird kleiner und die Gespräche und der Kontakt zu Menschen weniger, was letztendlich zu Frustration, Stress oder sogar zu Vereinsamung und Depressionen führen kann. Aufgrund mangelnder Orientierung kommt es außerdem zu Stürzen und Gefahrensituationen werden verzögert wahrgenommen. Deshalb ziehen sich ältere Menschen mit Hörverlust häufig zurück, pflegen soziale Kontakte immer weniger und reduzieren ihren Tagesablauf auf das Notwendigste.

Lebensqualität bleibt dank Hörhilfen erhalten
Ein unbehandelter Hörverlust trifft ältere Menschen besonders stark. Diese Altersgruppe ist häufig unzufrieden mit Hörgeräten und der Meinung, dass es für sie keine bessere Lösung mehr gibt. Vor allem bei einem beidseitigen Hörverlust kommt es in vielen Fällen zu einer deutlichen Abnahme an Lebensqualität im Vergleich zu einer einseitigen Höreinschränkung. Betroffene sind nicht mehr so aufmerksam, sie verarbeiten Gehörtes langsamer, verstehen Zusammenhänge schlecht und haben Wortfindungsprobleme. Dabei sind ältere Menschen, die Hörhilfen verwenden, länger unabhängig und können weiterhin ihrem gewohnten Leben nachgehen. Experten raten daher zur Implantation, wenn Betroffene trotz Hörgerät kaum mehr Gespräche verstehen oder ein Hörgerät aus medizinischen Gründen nicht tragen können.

Auch ältere Generationen profitieren somit von Hörimplantaten. Sie können Gesprächen besser folgen und Geräusche in ihrer Umgebung wahrnehmen, so dass sie auch im Alter eine höhere Lebensqualität haben. Durch eine frühzeitige Versorgung wird außerdem eine längere Taubheitsperiode vermieden, was ein großer Vorteil für die Rehabilitation ist. Denn je besser das Sprachverstehen vor der Operation ist, desto schneller zeichnen sich Fortschritte nach einer Implantation ab.

*WHO (2012). WHO global estimates on prevalence of hearing loss - Mortality and Burden of Diseases and Prevention of Blindness and Deafness.