Isabelle 

aus Poppenhausen (Deutschland)

Beidseitig implantiert
Cochlea-Implantate
Schwerer Hörverlust seit Geburt
Handelsfachwirtin

Isabelle Boberg ist Handelsfachwirtin und von Geburt an gehörlos.  Seit 2007 verwendet sie links, seit 2014 rechts Cochlea-Implantate.

Isabelle ist Botschafterin weil:

Ich anderen Mut machen und zeigen möchte, welche Bereicherung mein Implantat für mich ist.

Erfahrungsbericht Isabelle

1. Wann und warum ist dein Hörverlust aufgetreten? Und wie stark ist er?
Ich wurde fast taub geboren. Aber weil ich immer sehr lebhaft war, sind meine Hörprobleme lange Zeit nicht aufgefallen. Als ich bei einem lauten Krachen überhaupt nicht reagierte, wurde klar, dass mit meinem Gehör etwas nicht in Ordnung war. Damals standen Cochlea-Implantate noch am Anfang ihrer Entwicklung, darum hat man es erst mal mit Hörgeräten versucht.

2. Wie hast du persönlich den Hörverlust empfunden?
Meine Hörprobleme haben mich oft limitiert: in der Schule, im Studium und bei der Ausbildung. Trotz nur knapp 10% Restgehör habe ich es zwar auf die Regelschule geschafft, in der siebten Klasse konnte ich dem Frontalunterricht in der Schule allerdings nicht mehr folgen. Ich wechselte auf eine Realschule für Schwerhörige in München. Auch bei Gesprächen mit Familie und Freunden zeigte mir der Hörverlust meine Grenzen auf.

3. Wann und wie hast du von der Möglichkeit eines Hörimplantats erfahren? Wie hast du die Entscheidung zum CI abgewogen?
Da ich bereits in der Schule Kontakt zu CI–Trägern hatte, wusste ich, was mit dieser modernen Technologie möglich ist. Deshalb habe ich mich letztendlich für ein Implantat entschieden.

4. Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder Familie unterstützt?
Mein Umfeld hat mich stets unterstützt und ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.

5. Wie erging es dir nach der Implantation?
Meine Familie hat mir geholfen, mit dem CI umgehen zu lernen. Gerade am Anfang kann es nämlich sogar schwierig sein, so viel zu hören, weil man das überhaupt nicht gewohnt ist. Als ich mit dem CI das erste Mal in meinem Leben einen Frosch quaken hörte, musste ich meinen Vater fragen, was das ist, denn ich konnte das Geräusch nicht zuordnen – ich hatte es ja noch nie gehört. Es braucht Disziplin, das Hören zu üben.

6. Was hat sich seit deiner Implantation verändert? Was genießt du am meisten am wieder Hören?
Der Unterschied zu meinem Leben vor dem Implantat ist gravierend. Früher konnte ich zum Beispiel nur mit meinen Eltern telefonieren – und das auch nur, wenn ich mit „Ja“ oder „Nein“ antworten konnte. Heute ist telefonieren auch mit Fremden kein Problem mehr. Ich kann einfach jemanden anrufen. Ansonsten spürt man die Verbesserung an vielen Kleinigkeiten. Beim Spazierengehen mit meinem Hund kann ich zum Beispiel wieder die Vögel zwitschern hören. Das war vorher undenkbar.

7. Hatte dein Hörverlust und später das Implantat Auswirkungen auf dein Leben oder deine Karriere? Und wenn ja, inwiefern?

Meine Leidenschaft für Hockey spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, die Schule zu wechseln und von Schweinfurt nach München zu ziehen. Dort wollte ich mich beim Hockey-Bundesligaverein MSC nämlich zur Profispielerin entwickeln. Und das ist mir auch gelungen. Nach der Schule bin ich für drei Semester an die Uni, habe das Studium aber abgebrochen und mir einen Ausbildungsplatz in der Forstwirtschaft gesucht. Aber auch das war noch nicht das, wonach ich gesucht hatte. Während dieser Zeit habe ich meine Liebe zum Fahrradfahren entdeckt – und die hat mich zu einer Ausbildung zur Handelsfachwirtin in einem Fahrradgeschäft gebracht. Es ist auch wichtig, sich Auszeiten vom Hören zu nehmen. Das Radfahren ist dafür perfekt geeignet. Inzwischen fahre ich bei den Gehörlosenmeisterschaften ganze vorne mit – ich habe aber auch kein Problem damit, Normalhörende auf die hinteren Plätze zu verweisen. Wer weiß, ob ich als „Normalhörende“ diesen sportlichen Weg so erfolgreich gegangen wäre?

8. Was möchtest du Betroffenen und ihren Angehörigen mit auf den Weg geben?
Ich möchte anderen helfen, ihre Entscheidung zu treffen und ihnen vor allem auch die Angst vor der Operation nehmen. Ich bin froh, dass ich damals die Operation gewagt habe und erinnere mich noch gut an die vielen Fragen, die ich davor hatte.

Sie haben Fragen an Isabelle? Unter www.hoerpaten.de können Sie sie direkt kontaktieren.

Über “Endlich Wieder Hören”

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, kann ein Hörimplantat die passende Lösung sein. Geschichten aus erster Hand helfen vielen Betroffenen eine Entscheidung zu treffen. "Endlich Wieder Hören" klärt auf, baut Ängste und Vorurteile ab und informiert Betroffene, Verwandte und Bekannte.

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