Josephine 

aus Heidelberg (Deutschland)

Einseitig implantiert
Cochlea-Implantat
Einseitige Taubheit
Studentin

Josephine Seifert ist begeisterte Cello-Spielerin, einseitig ertaubt, studierte in Oldenburg Audiologie und arbeitet an der Klinik in Tübingen. Seit 2013 trägt sie auf dem linken Ohr ein Cochlea-Implantat.

Josephine ist Botschafterin weil:

„Ich Menschen mit Hörverlust Mut machen möchte und ihnen zeigen will, dass sie nicht alleine sind. Meine Erfahrungen und Tipps sollen Betroffenen helfen, realistische Erwartungen an CIs zu entwickeln.“

Erfahrungsbericht Josephine

1. Wann und warum ist dein Hörverlust aufgetreten? Und wie stark ist er?
Ich bin seit meinem 10. Lebensjahr auf meinem linken Ohr taub. Zuerst fiel es mir selbst nicht auf. Erst als meine Schwester mir etwas ins Ohr flüstern wollte und ich sie nicht verstand, wurden meine Eltern aufmerksam. Als Ursache vermuten die Ärzte eine Entzündung.

2. Wie hast du persönlich den Hörverlust empfunden?
In der Schule war es oft schwer für mich. Ich musste mich sehr konzentrieren, um dem Unterricht folgen zu können. Dazu kommt, dass man einem Menschen seinen Hörverlust nicht ansieht. Das führt oft zu Missverständnissen. Besonders in der schulischen Umgebung kann Schwerhörigkeit von den Lehrern schnell als fehlendes Interesse oder Faulheit interpretiert werden.

3. Wann und wie hast du von der Möglichkeit eines Hörimplantats erfahren?
Ich wollte unbedingt wieder beidseitig hören und informierte mich selbst über Behandlungsmöglichkeiten bei verschiedenen Ärzten und im Internet. So bin ich auf die Möglichkeiten gestoßen, die Cochlea-Implantate bieten.

4. Wie hast du die Entscheidung zum CI abgewogen?
Für mich war sofort klar, dass ich es mit einem Hörimplantat versuchen will. Vor meiner Implantation habe ich immer nach möglichen Gesprächspartnern und Informationen zum Thema Hörimplantate gesucht, bin dabei aber nur sehr selten fündig geworden.

5. Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder Familie unterstützt?
Die Menschen um mich herum waren sehr offen und ich habe bis heute nicht das Gefühl, durch mein CI irgendwie benachteiligt zu sein. Im Gegenteil: Vor allem in der Schule lief es viel besser, als ich meinen Audioprozessor trug.

6. Was hat sich seit deiner Implantation verändert? Was genießt du am meisten am wieder Hören?
Ich bin wieder belastbarer: Vor der Operation war ich nach der Schule oft erschöpft und habe mich zu Hause zurückgezogen. Heute bin ich voller Energie und gehe wieder gerne unter Menschen. Als ich mein Implantat bekam und wieder auf beiden Ohren hören konnte, sagte meine Familie, dass ich endlich wieder so wäre, wie ich früher war.

Die Musik spielt eine überaus wichtige Rolle in meinem Leben. Seitdem ich 4 Jahre alt bin spiele ich Cello – und darauf möchte ich auch nie verzichten. Ohne Hörimplantat hat für mich die volle Dimension der Musik gefehlt. Es hörte sich alles platt an, ich konnte die Tiefe der Musik nicht mehr hören. Jetzt mit CI nehme ich wieder das volle Klangspektrum wahr.

Auch der Alltag ist viel einfacher geworden. Mit dem CI kann ich wieder Richtungshören. An lauten Orten verstehe ich Gespräche auch bei Hintergrundlärm gut. Kurzum, das Implantat gibt mir jeden Tag Lebensqualität zurück.

7. Hatte dein Hörverlust, hat das Implantat Auswirkungen auf dein Leben und deine Karriere? Wenn ja, inwiefern?
Meine Wahl des Studiums für Hörtechnik und Audiologie beruht auf meiner persönlichen Hörsituation. Ich fühle mich der Technologie von Cochlea-Implantaten sehr verbunden und es fasziniert mich, was sie im Stande sind zu leisten. Nach meinem Studium möchte ich als Audiologin CI-Klinikarbeit übernehmen und Patienten mit Hörimplantaten betreuen.

8. Was möchtest du Betroffenen und ihren Angehörigen mit auf den Weg geben?
Ich möchte Menschen Mut machen, sich mit anderen, bereits erfahrenen Betroffenen auszutauschen, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Man muss sich mit dem Herzen für ein Cochlea-Implantat entscheiden, um damit glücklich zu werden. Wer sich darauf einlässt, bekommt sehr viel Lebensqualität und Belastbarkeit im Alltag zurück.

Sie haben Fragen an Josephine? Unter www.hoerpaten.de können Sie sie direkt kontaktieren.

Über “Endlich Wieder Hören”

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, kann ein Hörimplantat die passende Lösung sein. Geschichten aus erster Hand helfen vielen Betroffenen eine Entscheidung zu treffen. "Endlich Wieder Hören" klärt auf, baut Ängste und Vorurteile ab und informiert Betroffene, Verwandte und Bekannte.

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