Initiative Endlich Wieder Hören

Initiative Endlich Wieder Hören

Botschafter Karl aus Niederösterreich

Karl, 71 Jahre aus Niederösterreich ist Abteilungsleiter im öffentlichen Dienst.
Seit Juni 2013 hat er links eine Vibrant Soundbridge und im Oktober 2013 wurde ihm eine zweite Vibrant Soundbridge im linken Ohr implantiert.

Karl ist Botschafter weil:

Da ich mich mit dem Hörverlust nicht abfinden wollte, habe ich der Stille im Alltag den Kampf angesagt. Ich möchte anderen Schwerhörigen Mut machen, die vermeintlichen Strapazen einer Operation, das Anpassen der Audioprozessoren und den darauffolgenden Lernprozess auf sich zu nehmen – es lohnt sich!

Erfahrungsbericht Karl

1. Wann und warum ist der Hörverlust aufgetreten? Wie stark ist der Hörverlust?
Zunächst ist mir der Hörverlust überhaupt nicht aufgefallen, da es ein schleichender Prozess war. Vermutlich ist die Taubheit aus verschiedenen Gründen eingetreten. Zum einen hat die allgemeine „Lärmverseuchung“ durch laute Discobesuche, Schießübungen beim Bundesheer, Wald- und Holzarbeiten als Ausgleich zum Büroleben – alles natürlich ohne Gehörschutz – dazu beigetragen. Zum anderen liegt es teilweise auch an der Vererbung. Meine Eltern sind beide altersschwerhörig. Dazu kam etwa ab dem 40. Lebensjahr ein Tinnitus, der einmal da war, dann wieder nicht und unbehandelt zu einem chronischen Leiden wurde (gemessen 78 dB).

2. Wie hast du den Hörverlust persönlich empfunden?
Für mich ging zwar keine Welt unter, da ich ja wusste, dass es Hörhilfen gibt. Nur in dem Moment der Diagnose wollte ich es nicht wahr haben, dass gerade ich betroffen bin. Ich habe mich anfangs über diesen Zustand selbst getäuscht, bis es irgendwann nicht mehr ging. Das ständige Nachfragen und das Nichtverstehen waren mir und wahrscheinlich auch den anderen auf Dauer sehr lästig. Da ich bei meiner Tätigkeit überwiegend mit Menschen, sei es in Einzelgesprächen, Konferenzen oder Tagungen und Verhandlungen zu tun habe, tat ich mich beim Verstehen schwer, lernte von den Lippen abzulesen und improvisierte teilweise, da ich ja wusste worum es ging. Im Theater, selbst in den vordersten Reihen, kam ich mir wie in einem Stummfilm vor. Mit anderen Worten: es war mühsam.

3. Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder der Familie unterstützt?
Von Ärzten bekam ich überhaupt keine Unterstützung! Kein HNO-Facharzt wies mich auf die Möglichkeit dieses Mittelohrimplantats hin, sondern schickte mich bestenfalls in ein Hörstudio, um Hörgeräte anpassen zu lassen. Was ich auch vor etwa 2 Jahren tat. Ich legte mir sündhaft teure Hörgeräte samt Fernbedienung zu – zufrieden war ich allerdings nicht! Von meiner Gattin und den Kindern wurde ich natürlich in meinem Bemühen, etwas Besseres zu finden, unterstützt.

4. Wann und wie erfuhrst du von der Möglichkeit eines Hörimplantats?
Meine Gattin sah im Februar 2013 in einer österreichischen TV-Sendung einen Beitrag über das Thema Schwerhörigkeit und Tinnitus, in dem von einem Implantat die Rede war. Ich machte mich im Internet schlau und wurde so auf die „Soundbridge“ aufmerksam. Bedingt durch meine Tätigkeit und den damit verbundenen Kontakt zu den niederösterreichischen Kliniken und deren guten Ruf machte ich einen Termin in der für mich in Niederösterreich am nächsten liegenden und auch einzigen Ambulanz einen Termin aus. Ich wurde dort nicht nur eingehend untersucht, sondern auch bestens beraten. Und somit war mein Entschluss gefasst.

5. Was hat sich seit der Implantation verändert?
Als optischer Typ kann ich sagen, dass der zerbrochene Spiegel wieder ein ganzer und die Milchglasscheibe zu einer Klarsichtscheibe wurde – man versteht nicht mehr nur Bruchstücke, sondern ganze Zusammenhänge. In Gesellschaft fühlt man sich wohler und kann auch wieder aktiv an Unterhaltungen teilnehmen. Die Natur, in der ich mich gerne und viel aufhalte, nehme ich wieder bewusster und intensiver wahr – so wie früher. Ich höre wieder das Rascheln des Herbstlaubes, wenn darin eine Maus herumsaust.

6. Wie hat sich das Thema Hören auf dein Leben und deine Karriere ausgewirkt? Was hat sich durch das Implantat verändert?
Es war ein Wechselbad der Gefühle! Der Hörverlust war ein absolut negatives Erlebnis für mich, denn ich war im privaten als auch im beruflichen Leben eingeschränkt. Ich hatte das Gefühl, meinen Beruf nicht mehr so ausführen zu können, wie ich es wollte. Mit dem Implantat kam die positive Wendung, und ich bin wieder in der Lage mein Leben so zu führen wie zuvor.

7. Wie empfandst du den Lernprozess / Reha nach der Implantation?
Körperlich gab es überhaupt keine Probleme. Es war mir höchstens etwas schwindelig wie nach jeder Operation. Zudem war dieser Eingriff ja im Gehörbereich, dem Zentrum des Gleichgewichtssinnes, was dazu beigetragen hat, dass das Schwindelgefühl etwas stärker war. Eine Reha war natürlich keine erforderlich – nach 3-4 Tagen Klinikaufenthalt ging es wieder heimwärts. Unmittelbar nach der Operation war das Hören ohne alle Hilfsmittel, also auch ohne Hörgerät, wie mir schien, etwas dumpfer und eingeschränkter. Aber nach der 4- 5 wöchigen Wartezeit auf den Audioprozessor konnte ich immer besser hören. Das war ein unbeschreibliches Hoch- und Glücksgefühl. Ich konnte gar nicht glauben, dass der Unterschied zu dem Hörgerät ein so großer ist. Das Anpassen war kein Problem, da ich ja die Erfahrung von den Hörgeräten mitbrachte. Dass es unbedeutende Probleme in leeren Hallen und bei hohen, kreischenden Tönen und Stimmlagen geben kann, damit findet man sich im Hinblick auf das Überwiegen der Vorteile ab.

8. Hast du konkrete Tipps für Betroffene und deren Umfeld, wie man Betroffenen den Alltag leichter machen kann?
Betroffene sollten sich die Erfahrungen eines schwerhörig Gewesenen und eines nunmehr nahezu „vollintegrierten“ Hörenden zu Herzen nehmen. Es ist wirklich zu empfehlen, eine hierfür spezialisierte Ambulanz aufzusuchen, sich den Eingriffen zu unterziehen, um wieder Mensch zu sein und das wiedererlangte Hörvermögen genießen zu können. So wird auch der Alltag wieder angenehm, leicht und lebenswerter.