Initiative Endlich Wieder Hören

Initiative Endlich Wieder Hören

Botschafterin Martina aus Krefeld (Deutschland)

Martina aus Krefeld ist Einkäuferin in einem Versicherungsunternehmen und trägt seit November 2012 im linken Ohr ein Bonebridge Implantat.

Martina ist Botschafter weil:

Der Schritt zu einer Implantation erfordert einen gewissen Grad an Mut. Man darf keine Angst haben, den Weg zu gehen. Ich möchte Betroffene darin bestärken, sich für ein angenehmeres und schöneres Leben zu entscheiden.

Erfahrungsbericht Martina

1. Wie stark ist dein Hörverlust? Wann und warum ist dein Hörverlust aufgetreten?
Man kann nicht genau sagen, was zu meinem Hörverlust geführt hat. Ich hatte mit zwölf Jahren meinen ersten Hörsturz auf dem linken Ohr. Bis ich 20 wurde, hat sich das in regelmäßigen Abständen wiederholt, bis ich nichts mehr gehört habe. Anfangs habe ich ein Hörgerät getragen, das irgendwann nicht mehr ausgereicht hat. Das Restgehör links liegt noch bei ca. 80-85 db.

2. Wie hast du persönlich den Hörverlust empfunden?
Als Kind ist man geschockt, wenn man plötzlich nichts mehr hört.

3. Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder der Familie unterstützt?
Meine Familie hat mich sehr unterstützt und ist offen und proaktiv mit der Thematik umgegangen. Mein Vater trägt auf beiden Ohren ein Hörgerät, das heißt, wir sind alle mit dem Problem des Hörverlusts vertraut. Natürlich ist es durchaus auch möglich, dass mein Hörverlust erblich bedingt ist. Auch meine Freunde haben immer positiv darauf reagiert und mich nie ausgegrenzt oder verspottet. Sie fanden es gut, dass ich zu meinem Problem stand und ein Hörgerät getragen habe. Die einhellige Meinung war, dass sich ältere Menschen ein Beispiel daran nehmen sollten.

4. Wann und wie hast du von der Möglichkeit eines Hörimplantats erfahren?
Nach einer OP am Trommelfell wurde klar, dass ich auf dem linken Ohr nichts mehr hören würde. Mein Arzt zeigte mir damals die Chancen einer Implantation auf und überzeugte mich schnell von den Vorzügen. Ich hatte aber auch schon vorher im Internet darüber gelesen, jedoch nicht gedacht, dass ich ein Kandidat für solch eine Lösung sein könnte.

5. Was ist für dich das Schönste am wieder hören können?
Da mein Hörverlust Gott sei Dank nur einseitig war, konnte ich viele Dinge trotzdem hören. Doch wie immer liegt der Teufel im Detail. Es fiel mir besonders schwer, Hintergrundgeräusche zu erkennen, geschweige denn die Richtung und Entfernung auszumachen. Vor allem im Straßenverkehr war das ein großer Nachteil. Wenn man nicht einordnen kann, aus welcher Richtung ein Auto kommt, kann man leicht in gefährliche Situationen geraten. Das hat mich schon verunsichert. Dank meines Implantats erkenne ich jedes noch so kleine und banale Geräusch – vor allem aber Laute, von denen ich dachte, ich höre sie, sie aber in Wirklichkeit gar nicht aufnehmen konnte. Es macht mich sehr glücklich, dass ich mich sicher fühle und vor allem die alltäglichen Dinge wie das Dampfen einer Kaffeemaschine oder Vogelzwitschern wieder wahrzunehme.

6. Wie hat sich das Thema Hörverlust auf dein Leben und deine Karriere ausgewirkt? Was hat sich durch das Implantat verändert?
Ich hatte ja immer noch die Hörfähigkeit meines rechten Ohres, was mir den Alltag natürlich erleichtert hat. Auch in der Schule oder Arbeit war das generell ein Vorteil. Allerdings habe ich häufig einige Dinge bei Telefonaten oder in hektischen Gesprächen nicht richtig verstanden. Das Nachfragen war mir oft sehr unangenehm. In solchen Situation ist mir bewusst geworden, wie wichtig es doch ist, auf beiden Ohren gut hören zu können. Nachdem ich wieder auf beiden Ohren hören konnte, ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, wie anstrengend die Kommunikation mit anderen war. Auch im Straßenverkehr fühle ich mich jetzt sicherer.

7. Wie erging es dir nach der Implantation?
Mir erging es gut nach der Implantation und ich hatte keine großen Schwierigkeiten, mich an das Implantat zu gewöhnen. Am Anfang war der Prozessor leiser eingestellt, wurde aber bei jedem Routinebesuch ein kleines bisschen lauter gedreht. Jetzt gehe ich alle paar Monate zur Kontrolluntersuchung und es wird getestet, ob man die Einstellung nochmal optimieren kann.

8. Was möchtest du Betroffenen und Angehörigen mit auf den Weg geben?
Ich möchte Betroffenen sagen, dass sie sich trauen sollten, neue Wege zu gehen und sich über Möglichkeiten zu informieren. Es ist keine Schande schlecht zu hören und in unserer Zeit auch kein wirkliches Problem mehr. Den Angehörigen möchte ich ans Herz legen, geduldig zu sein. Man sollte sich die Mühe machen, Fragen zu wiederholen, ohne genervt zu wirken.