Richard

aus Frankfurt am Main (Deutschland)

Einseitig implantiert
Cochlea-Implantat
Krankheit im Erwachsenenalter
Pensionierter Professor, Musiker

Richard Kersten wurde 1949 in England geboren und kam im Alter von elf Jahren nach Frankfurt am Main, wo er bis heute wohnt. Er studierte Lehramt, verdiente sich seinen Lebensunterhalt aber viele Jahre als Gitarrist und Sänger. U.a. war er mehrere Jahre der „John Lennon“ der Beatles Revival-Band. Danach veröffentlichte er auch eigenständige LPs wie „Ensenada Amiga“, „REK 1“ (2018 bei Private Records neu aufgelegt), und betrieb ein Tonstudio. Nach seinem Rückzug aus dem Musikgeschäft arbeitete er als Englisch-Trainer für Geschäftsleute und hielt sehr erfolgreiche Seminare mit ganzheitlichem Lernen. 2009 verlor Richard Kersten auf seinem rechten Ohr das Hörvermögen, das erst mittels eines Cochlea-Implantates wieder hergestellt werden konnte. 2017 entschied er sich nach langem Zögern für die Operation und ließ sich das Implantat einsetzen. Seitdem kann er wieder räumlich hören, was für ihn eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität bedeutet. 

Richard ist Botschafter weil:

Im Vorfeld meiner Operation suchte ich im Internet Informationen über die Wirkung von Cochlea-Implantaten. Aber gerade für meinen Fall – Taubheit auf einem Ohr – war die Ausbeute überhaupt nicht zufriedenstellend. Ich fand höchstens ein paar negative Postings, die vor so einer OP warnten und auch HNO-Ärzte hatten mir zuerst davon abgeraten. Dennoch entschloss ich mich zur Operation, was mir das so wichtige räumliche Hören wieder ermöglichte. Von meinen positiven Erfahrungen möchte ich gerne jenen Menschen erzählen, die unsicher sind, ob sie eine Operation wagen sollen. Ich möchte sie aber auch darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, nach der OP das Hören mit dem Implantat zu trainieren und nicht passiv darauf hoffen, dass der Anpassungsprozess von selber immer besser wird.

Erfahrungsbericht Richard

Richard, wann und warum hast du deine Hörfähigkeit auf dem rechten Ohr verloren? 

Im Jahr 2009 verlor ich mein Hörvermögen aufgrund eines verstopften Gehörganges. Ein Arzt riet mir, den Gehörgang zu erweitern, aber das machte alles noch schlimmer und es kam eine Entzündung dazu. Das Gehör fiel auf dem rechten Ohr komplett aus. Ein paar Jahre versuchte ich es mit einem Hörgerät, aber das funktionierte nicht, die winzig kleinen Flimmerhärchen im Ohr erfüllten ihre Aufgabe nicht mehr.  

Aber du konntest immerhin noch auf einem Ohr hören… 

Das stimmt, aber wer nur auf einem Ohr hört, hat kein räumliches Hörvermögen. Kaum jemand kann sich vorstellen, wie groß dadurch die Beeinträchtigung im alltäglichen Leben ist. Man fühlt sich unwohl und ausgeschlossen. Es gibt Menschen, die ziehen sich deshalb oft aus der Gesellschaft zurück und werden depressiv. Ich musste aufpassen, dass es mir nicht ebenso erging. Außerdem war ich früher Sänger und Profimusiker gewesen und die Freude an der Musik ging mir nun total verloren, ich konnte die Musik nicht mehr genießen.  

Wie kam es zur Entscheidung für das Implantat? 

HNO-Ärzte hatten mir lange Zeit von einem Cochlea-Implantat abgeraten, weil sie meinten, das Zusammenwirken mit dem noch funktionierenden Ohr würde nicht klappen. Aber dann hörte ich den Vortrag eines Fachprofessors, der sehr positiv über Implantate und die Fortschritte auf diesem Gebiet berichtete. Da fällte auch ich die Entscheidung, es mit einem Implantat zu versuchen. Das war 2017 und ich habe es nicht bereut. Was ich bereue ist, dass ich zu lange damit gewartet habe. Das verlängerte die Deprivationszeit unnötig und machte die Anpassung schwieriger. Aber mit viel Training kann ich heute mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. 

Wie trainierst du deine Hörfähigkeit? 

Vor allem mit speziellen Computerprogrammen (Audiolog 4), die verschiedene Aufgaben stellen, zum Beispiel Töne unterscheiden, ein Instrument identifizieren usw. Als Musiker habe ich dabei vermutlich einen Vorteil gegenüber weniger musikalischen Menschen, denn mein Gehör ist diesbezüglich ohnehin gut trainiert. Natürlich gibt es auch jetzt noch leichte Einschränkungen. Wenn ich mit einer Band spiele und singe, kann ich die Tonart nicht immer auf Anhieb erkennen, was beim Singen nicht optimal ist. Aber möglicherweise verbessert sich auch das noch. 

Kannst du die Stadien der Anpassung ein bisschen beschreiben? 

Die Erstanpassung nahm eine freundliche Dame vor und ich fragte sie: „Was ist denn das für ein Vogelgezwitscher?“ Und sie antwortete: „Das ist meine Stimme.“ Da bin ich zuerst schon erschrocken, weil sich das mit dem Implantat so robotermäßig anhörte. Durch das regelmäßige Training ging es aber ständig besser und es waren schnell Fortschritte erkennbar. Jetzt höre ich die Stimmen viel deutlicher. Wenn ich mit dem Audiokabel Tonquellen isoliert höre (etwa über iPod oder Radio)kann ich unterscheiden, ob ein Mann oder eine Frau spricht und die Stimmfärbung zunehmend besser erkennen. Ich treffe aber immer wieder Menschen mit Implantat, die nicht aktiv am Anpassungsprozess arbeiten, diese verzeichnen dann nur schwerlich Verbesserungen. Das ist schade, denn das Training lohnt sich und die Fortschritte motivieren. 

Wie hat sich durch die Implantation dein Leben verändert? 

Ganz natürlich wird das Hören mit Implantat nie sein, aber es ist so gut, dass es entscheidend zur Lebensqualität beiträgt. Ich nehme durch das räumliche Hören nun wieder ganz aktiv am Leben teil, fühle mich wieder wohl und kann auch das Musikhören wieder sehr genießen!  

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