Musik – die beste Therapie



Sämtliche Tische in der Pizzeria im Einkaufszentrum sind besetzt. An einem davon sitzt Heinz und unterhält sich angeregt mit dem Team von Endlich Wieder Hören. Mühelos beantwortet er trotz des hohen Lärmpegels die Fragen, die sich hauptsächlich um sein liebstes Hobby, das Harmonikaspielen, drehen. „Lärm war jahrzehntelang mein Begleiter – und wahrscheinlich auch der Grund für meine Ertaubung“, meint er nüchtern. Der gelernte Maschinenschlosser arbeitete im Stahlbau und später als Maschinist.  Schon als Mittzwanziger bemerkte er, dass sein Gehör nachließ, doch mit Hörgeräten klappte die Verständigung jahrelang gut. Drei Hörstürze später, der letzte 2017, sah die Welt plötzlich anders aus. Am rechten Ohr war Heinz so gut wie taub, links hörte er mit Hörgerät nur mäßig.

Kein Cochlea-Implantat ohne Mentor

Vom Cochlea-Implantat hatte Heinz schon gehört, doch hatte er viele Fragen, bevor er eine solche weitreichende Entscheidung endgültig treffen wollte. „Ein CI ist ja keine Brille, die man einfach aufsetzt, sondern ein kompliziertes technisches Gerät,“, erklärt Heinz. Die Antworten auf seine Fragen gab ihm ein gehörloser Herr im Ort. Sein „Mentor“ Manfred, schon viele Jahre mit einem Cochlea-Implantat versorgt, konnte Heinz seine Unsicherheiten und Ängste nehmen und ihn entscheidend aufklären.  „Ohne Manfred hätte ich wahrscheinlich kein CI“, sagt Heinz rückblickend.

Ein knappes Jahr nach dem letzten Hörsturz ließ Heinz sein rechtes Ohr am Landesklinikum St. Pölten mit einem CI versorgen. Schon bald klappte das Verstehen von Sprache wieder zufriedenstellend. Gespannt wagte sich Heinz eine Hörstufe höher – an die Musik.

Leidenschaft Harmonika

Er war ein Spätberufener, der erst mit knapp 50 Jahren die ersten Töne auf der hundert Jahre alten Harmonika seines Großvaters gespielt und damit seine Leidenschaft für dieses Instrument entfacht hatte. Vor seiner Ertaubung hatte er mit Freunden in einem kleinen Ensemble musiziert. Nun wollte Heinz an diese Zeit anknüpfen. Doch zwei Wochen nach der Erstanpassung war das Ergebnis niederschmetternd. Die Harmonika klang schrecklich und Heinz fürchtete, dass er nie mehr wieder musizieren würde können.

Doch sein Mentor Manfred machte Heinz Mut, unterstützte ihn mit seiner jahrelangen Erfahrung und überzeugte ihn, die Harmonika nicht für immer in die Ecke zu stellen.  So nahm der Musikant sein Instrument wieder zur Hand und begann, regelmäßig zu üben. Schon bald stellte er fest: „Es klingt wieder gut!“

Der musikalische Durchbruch mit CI

Von der Arbeit mit der Musiktherapeutin an der Klinik St. Pölten und dem Austausch mit anderen Schwerhörigen in den Selbsthilfegruppen Cochlea-Implantat Austria und Schwerhörige Niederösterreich profitierte Heinz sehr. Ein dreiwöchiger stationärer Reha-Aufenthalt im bayrischen Bad Grönenbach brachte ihn noch einmal einen großen Schritt weiter. Die Harmonika war im Allgäu ebenfalls fleißig im Einsatz. Hüttenabende und andere spontane gesellige Zusammenkünfte verlangten nach musikalischer Umrahmung. Mit einem Strahlen im Gesicht erzählt Heinz von diesen lustigen Stunden und dem Glück, das er verspürte, wenn er mit der Harmonika gute Stimmung verbreitete.

Binaurales Hören für mehr Musikgenuss

Wichtig ist für Heinz die optimale Verbindung zwischen Cochlea-Implantat und Hörgerät. Mit seinem neuen Hörgerät befindet er sich derzeit in einer Testphase, um diese Verbindung perfekt zu machen. „Das CI allein funktioniert super für Sprache, aber für den optimalen Musikgenuss brauche ich beides.“

Er übt viel, nur mit dem CI, aber auch in Kombination mit CI und Hörgerät. „Es ist noch viel Luft nach oben“, schmunzelt Heinz, „beim Hören ebenso wie beim Harmonikaspielen.“ Die musikalische Weiterentwicklung treibt er intensiv voran, mit privatem Musikunterricht, der Teilnahme an Harmonika-Workshops und dem Ensemblespiel. „Das tägliche Spielen auf der Harmonika hat mich beim Hören weitergebracht, mir den Hörerfolg deutlich gemacht. Zur Belohnung habe ich mir eine neue Harmonika gekauft“, erzählt der Musikant freudestrahlend. Und diese Freude ist ansteckend. Musik ist einfach die beste Therapie!

Tipps zum Musikhören und Musizieren mit Hörimplantat finden Sie hier

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