Und jetzt tanzt sie Ballett…



Als bei einer der Zwillingstöchter von Jens und Evelyn Krause Taubheit festgestellt wurde, krempelte sich das Familienleben komplett um.

Doppeltes Glück wurde Jens und Evelyn Krause mit der Geburt ihrer Zwillingstöchter Sanaa und Evoleht – genannt Evo – im Jahr 2011 in die Wiege gelegt. Bis der Schatten eines Verdachts auf das Kinderbett fiel: Evo reagierte häufig sehr spät oder gar nicht auf Geräusche, deshalb kam bei den Eltern eine Ahnung auf, das Baby könnte taub sein. Als die Kleine im Alter von eineinhalb Jahren bei einem Kinderarzt aber auf dessen Zuruf reagierte, wurde der Verdacht wieder fallen gelassen. Die Zweifel verstärkten sich gegen Ende 2012 allerdings wieder, woraufhin die Familie einenHNO Arzt konsultierte, derentsprechende Tests durchführte. Im Jänner 2013 wurde die Diagnose bestätigt: Evoleht ist beidseitig zu hundert Prozent taub. Da sie bis dahin keine Kinderkrankheiten hatte, nimmt man an, dass sie tatsächlich von Geburt an gehörlos war.

Jens Krause: „Meine Frau und ich wussten, dass alles, was wir jetzt entschieden, einen starken Einfluss auf unsere Lebensgestaltung haben würde. Und wir wussten, dass wir alles daran setzen wollten, Evoleht ein weitgehend “normales” Leben zu ermöglichen.“

Zeitverlust durch falsche Behandlung

Die Familie lebte damals in Peru, denn Evelyn Andia Espezua Krause ist gebürtige Peruanerin. Sie erfuhr über die Medien von einem Arzt, der Cochlea-Implantate als ideale Lösung für Taubheit empfahl, und die Eltern wollten diese Möglichkeit nicht ungenutzt lassen. Die medizinischen Tests ergaben, dass für Evoleht eine Lösung mit CIs in Frage kam.

Nach der Operation sträubte sich Evoleht aber heftig gegen die CIs und erst ein Jahr später wurde klar, warum: viel zu lautEine genaue medizinische Erstanpassung war in Peru nicht vorgenommen worden, Die Fehlbehandlung wurde erst ein Jahr später in Deutschland aufgedeckt. Jens Krause: „Wir haben durch falsche Behandlung mehr als ein Jahr verloren – im Entwicklungsalter eine kaum einholbare Zeitspanne.“

Mit der richtigen Einstellung der Geräte in Deutschland begann Evolehts Hör-Leben.

Natürlich gibt es immer noch Einschränkungen, aber Evoleth weiß damit prima umzugehen. „Sie ist sehr gut im Imitieren und unheimlich schlau“, erzählen ihre Eltern. „Beim Ballett ist sie meist einen Tick zu spät, weil sie sich erst ihre Nachbarinnen ansieht,  aber ohne CIs könnte sie mit Sicherheit gar nicht Ballett tanzen.“

Der Alltag hat sich gut eingependelt

Um das alles zu ermöglichen, krempelte die Familie ihr Leben total um. Jens Krause: „Meine Frau, die noch in Peru einen Verein zur Förderung von CIs mitgründete, brach ihr Studium ab und auch ich steckte beruflich zurück. Früher bin ich beruflich viel gereist, was ich nun auf sehr wenige und zeitlich stark begrenzte Auslandseinsätze limitiert habe. Auch die Wahl unseres Wohnortes wurde durch das Vorhandensein einer guten Infrastruktur für Evoleht bestimmt: Wir übersiedelten nach Deutschland in eine Kleinstadt im Norden von Frankfurt.“

Der Alltag hat sich inzwischen bei Familie Krause ebenfalls gut eingependelt: „Unser Tagesablauf ist stark geprägt von den Schulbuszeiten für Evoleht und ihren 2-mal pro Woche stattfindenden Logopädie-Termine. Auf Anraten der Schule werden wir auch demnächst einen Kurs in Gebärdensprache belegen. Und dann gibt es noch die ganzen Kleinigkeiten wie: Batterien laden, immer Austausch-Akkus mitnehmen etc. Das mag jetzt zwar alles ziemlich negativ klingen, ist es aber nicht. Es ist uns wichtig und Teil unseres Lebens. Letztendlich ist Gehörlosigkeit eine Einschränkung und das CI eine Lösung für die Betroffenen. Wir sind froh und dankbar, dass Hören mit CIs technisch möglich.”

Über “Endlich Wieder Hören”

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, kann ein Hörimplantat die passende Lösung sein. Geschichten aus erster Hand helfen vielen Betroffenen eine Entscheidung zu treffen. "Endlich Wieder Hören" klärt auf, baut Ängste und Vorurteile ab und informiert Betroffene, Verwandte und Bekannte.

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