Da bin ich Prinzessin! – Tanjas Weg zum Cochlea-Implantat (TEIL 2)



Im Oktober überwog noch die Vorfreude, mittlerweile ist das Cochlea-Implantat für Tanja Wirklichkeit geworden. Endlich Wieder Hören traf die einseitig ertaubte Neo-CI-Trägerin eine Woche nach ihrer Erstanpassung.

Gewohnt fröhlich erscheint Tanja zum Interviewtermin. Der erste Blick des EWH-Teams gilt der Operationsstelle. Positive Enttäuschung macht sich breit, denn nicht einmal vier Wochen nach der Implantation ist kaum mehr etwas zu sehen. Die Narbe ist verheilt und liegt unauffällig hinter der Ohrmuschel versteckt. „Die Wundheilung verlief einwandfrei“, freut sich Tanja. Direkt nach der Operation verspürte sie lediglich ein leichtes Ziehen, das mittlerweile ganz verschwunden ist.

Die Implantation

Einen Tag vor dem Eingriff erfolgte Tanjas stationäre Aufnahme. „Ich ließ alles auf mich zukommen und war überhaupt nicht nervös“, erinnert sie sich. Die narkosebedingte Übelkeit überraschte die Frischoperierte nicht, sie kannte sie bereits von früheren Operationen. Auch auf den leichten Schwindel, eine häufige Nebenerscheinung nach Cochlea-Implantationen, war sie vorbereitet. „Etwa eine Woche schwankte es ein bisschen beim Gehen“, erzählt Tanja. „Aber da ich auf eigenen Wunsch noch 7 Tage nach der Operation stationär in der HNO-Abteilung der Klinik Innsbruck blieb und dort wunderbar versorgt wurde, empfand ich das Schwindelgefühl kaum als Einschränkung.“

„Da bin ich Prinzessin“

Auch den Alltag nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus bewältigte sie so gut wie vor der Operation. Tanjas Bedenken rund ums Haarewaschen wurden mit Trockenshampoo im wahrsten Sinn des Wortes weggewischt. Was sich nicht wegwischen ließ, war ein eindrucksvolles Hämatom, das von der Operationsstelle nach unten bis zum Hals wanderte. Tanja nahm die „Würgemale“ mit Humor, zumal sie ihr keine Schmerzen bereiteten. „Bei Blutergüssen bin ich empfindlich. Da bin ich Prinzessin!“ lacht sie. Das kann man ansonsten von der Mittsechzigerin nicht behaupten. Vernunftbetont trifft sie ihre Entscheidungen.

Man muss wollen

Auch wenn die Operation keine große Sache für die Rentnerin war, ist sie dennoch froh, die Implantation nicht länger hinausgeschoben zu haben. Sie ist gesundheitlich topfit und verspürte den starken Wunsch, wieder besser zu hören. Ihr Rat: „Warten Sie nicht zu lange, wenn ein Hörgerät nicht mehr hilft. Tun Sie etwas, solange Sie den Willen haben, etwas zu verändern. Eines ist wichtig: man muss wollen!“

Endlich wieder mit zwei Ohren hören

Drei Wochen nach der Operation erfolgte die Erstanpassung des Audioprozessors. Gespannt lauschte Tanja den Tönen, die das Cochlea-Implantat in ihr rechtes Ohr schickte. Begeistert erzählt sie von ihren ersten Höreindrücken nach über 30 Jahren. „Ich hörte sofort und ganz klar den Unterschied. Gewaltig! Der Klang ist ganz natürlich, fast wie beim hörenden linken Ohr!“

Tanjas Welt klingt seit einer Woche weniger gedämpft, und sie genießt die Vorteile des Hörens mit zwei Ohren. Als sie mit ihrem Partner in einem Lokal saß, verstand sie ihn auch ohne Lippenlesen, obwohl sich an den Nebentischen viele Leute unterhielten. „Mit nur einem Ohr zu hören, ist sehr anstrengend“, wundert sich Tanja rückblickend, wie sie die Zeit der einseitigen Taubheit so lange bewältigen konnte. Ganz bewusst erlebt sie, wie sie sich nun beim Hören weniger anstrengen und sich nicht mehr so stark auf das Lippenlesen verlassen muss.

Als Brillenträgerin entschied sich Tanja für den Rondo 2, einen sogenannten Single-Unit Prozessor, den sie bei der nächsten Anpassung bekommen wird. Auf dessen Vorteile, etwa das kabellose Aufladen, ist sie bereits gespannt. Und Endlich Wieder Hören ist gespannt, was Tanja in einigen Monaten über ihre weiteren Hörerfahrungen mit dem CI erzählen wird. Lesen Sie davon mehr im 3. Teil unserer Serie!

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