Geboren in die Stille



HNO-Primar Dr. Thomas Keintzel über die Bedeutung von Früherkennung, Interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Weg zum Cochlea-Implantat für Kinder

Primar Dr. Thomas Keintzel, Leiter der HNO-Abteilung des Klinikums Wels-Grieskirchen in Österreich, kommt nach einem schwierigen Eingriff aus dem Operationssaal. Das Wartezimmer in der Ambulanz ist bis auf den letzten Platz gefüllt.

Hörimplantationen sind seine Leidenschaft. Das erkennt man nicht nur am konstanten Anstieg der Eingriffe am Klinikum Wels-Grieskirchen, sondern auch an deren Qualität. Für Dr. Keintzel ist es mit der Operation selbst noch lange nicht getan. „Ich sehe meine PatientInnen 3 und 6 Monate nach der Implantation noch einmal, weil mich ihr Erfolg persönlich interessiert.“ Studien zum Thema Hörimplantate, aktuell eine zur einseitigen Ertaubung, die Ausarbeitung von Leitlinien zum Ablauf des Neugeborenen-Hörscreenings und Trackings in Oberösterreich und die Schaffung eines Implantboards an der Welser Klinik untermauern diese Leidenschaft.

Erfolgreiche Früherkennung dank Neugeborenen-Hörscreening
Mit dem in OÖ etablierten Neugeborenen-Hörscreening und Trackingsystem gelingt es 96% aller Neugeborenen zu screenen und im Bedarfsfall einer weiteren Abklärung zuzuführen.

Eltern, die sich im Falle eines auffälligen Hörscreenings dennoch nicht wieder in der Klinik melden, werden telefonisch noch einmal an den Folgetermin erinnert. Dadurch, erklärt der Primar, können Kinder mit Hörstörungen frühzeitig diagnostiziert werden. Nicht jedes Krankenhaus hat die diagnostischen Mittel zur Verfügung, um einen gesicherten Befund zu stellen. Das ist auch der Grund, warum viele Eltern von Säuglingen mit hochgradiger Hörstörung letztendlich bei Primar Keintzel vorstellig werden. Sein Ärzteteam und er selbst sind dann auch diejenigen, die den Eltern die endgültigen Untersuchungsergebnisse mitteilen.

Klinikübergreifende Zusammenarbeit
Rund eine halbe Autostunde von Wels entfernt befindet sich das Institut für Sinnes- und Sprachneurologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz, mit dem die Klinik Wels eng zusammenarbeitet. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz bietet mit seinem „Flip-Team“ ein Frühinterventionsprogramm inklusive psychologischer Betreuung an. Auch die kleinen Patienten von Dr. Keintzel werden ans Flip-Team überwiesen, das der gesamten Familie mit Rat und Tat zur Seite steht.

„Auch die jüngsten Patienten mit Verdacht auf Gehörlosigkeit werden zuerst mit einem Hörgerät versorgt.  Wenn sich in den darauffolgenden Monaten zeigt, dass die Verstärkung durch die Hörgeräte nicht für einen Spracherwerb ausreicht, wird die Indikation zu einem Cochleaimplantat gestellt. Die Versorgung erfolgt zumeist zwischen dem 10. – und 12. Lebensmonat.

Im Rahmen der Kontrollen an der Klinik erfolgt dann auch die ausführliche Information der Eltern betreffend einer Cochlea-Implantatversorgung.

Implantation ja oder nein?
Ob ein Säugling/Kleinkind ein Kandidat für Hörimplantat ist, wird im Klinikum Wels im Rahmen einer Besprechung am Implant-Board, das aus HNO-Ärzten, einem Hörgeräteakustiker und Logopädinnen besteht, entschieden. Im Vorfeld erfolgt dabei bereits eine pädiatrische, radiologische Abklärung sowie gegebenenfalls eine genetische Diagnostik.

Wenn die audiologische Indikation für ein Hörimplantat gegeben ist, wird das Besprechungsergebnis mit den Eltern diskutiert und gemeinsam die Entscheidung für oder gegen ein Implantat gestellt.      Dr. Keintzel beobachtet die Entwicklung sehr genau. Früher ließen gehörlose Eltern ihre gehörlosen Kinder oft nicht implantieren. Heutzutage ist das anders, weiß der Primar. In den vergangenen Jahren entschieden sich die meisten Eltern dafür, ihr Kind implantieren zu lassen. Dank Internet sehen Eltern heutzutage die Erfolge von Kindern mit CI. Das überzeugt auch die größten Skeptiker.“

Was Eltern sonst noch wissen wollen
Die häufigsten Fragen von Eltern kreisen um die Operation selbst. Am Klinikum Wels-Grieskirchen werden gehörlos geborene oder hochgradig hörbeinträchtige Kinder meist zwischen 10 und 12 Lebensmonat implantiert. Wie in vielen anderen CI-Zentren üblich, versorgt Primar Keintzel die Kleinen simultan bilateral, also in einer Operation mit Implantaten in beiden Ohren, wenn die Indikation dazu gegeben ist.

Nicht langwierig ist hingegen die Wartezeit auf eine Hörimplantation bei Kindern. Innerhalb weniger Monate kommt ein Kind mit zwei Cochlea-Implantaten aus der Stille – und kann sich auf den weiteren Weg zum Hören machen.

Erfahren Sie hier mehr über Dr. Keintzl.

Über “Endlich Wieder Hören”

Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen, kann ein Hörimplantat die passende Lösung sein. Geschichten aus erster Hand helfen vielen Betroffenen eine Entscheidung zu treffen. "Endlich Wieder Hören" klärt auf, baut Ängste und Vorurteile ab und informiert Betroffene, Verwandte und Bekannte.

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