Initiative Endlich Wieder Hören

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Wie ist es eigentlich... mit CI in der Schule? Ein Erfahrungsbericht

Die siebte Klasse eines Realgymnasiums in Wien: 27 Schüler und Schülerinnen, die für Mathetests lernen, Englisch-Vokabeln büffeln, Freundschaften knüpfen und neue Erkenntnisse gewinnen. Unter ihnen: Emil Valenta. Der 17-Jährige trägt auf beiden Seiten ein Cochlea-Implantat (CI). An seiner Schule war er der erste Schüler mit der implantierten Hörlösung. Er berichtet aus seinem Schulalltag mit CI.

Emil (rechts) und seine Familie | Bildnachweis: Emil Valenta

Das nächste Jahr wird spannend für Emil: Die Matura steht am Programm. Danach möchte er BWL studieren: „Da erhoffe ich mir die besten Berufschancen“, sagt er. Der junge Wiener hat seinen Ausbildungsweg mit Hilfe von Cochlea-Implantaten bestritten: Mit neun Monaten erhält Emil sein erstes CI. Als er zweieinhalb Jahre alt ist, wird er auch auf der zweiten Seite implantiert.

In Wien besuchte er eine Volksschule im 19. Bezirk. Dort war er das erste Kind mit CI: „Ich hatte einige Zeit einen Stützlehrer mit Hörgeschädigtenausbildung. Er kam ein- bis zweimal pro Woche - vor allem, um meine Lehrerin zu unterstützen.“

Nach der Volksschule wechselte er auf das Bundesrealgymnasium Krottenbachstraße im 19. Wiener Gemeindebezirk – und war auch dort der erste Schüler mit CI. Die Zusammenarbeit mit der Schule verlief von Anfang an sehr positiv: Emils Eltern gingen proaktiv auf die Schule zu und informierten Lehrer und Schulleitung über seine Situation. „Meine Eltern waren in der Schule und haben die Lehrer aufgeklärt. Zur Technik aber auch zum Thema Hörbeeinträchtigung an sich. Zusätzlich haben sie ihnen einiges an Broschürenmaterial zur Verfügung gestellt.“

Emil mit Papa | Bildnachweis: Emil Valenta

Unterstützung im Schulalltag

Bedenken seitens der Schule gab es keine, sagt Emil: „Man war immer offen für das Thema. Manchmal, wenn es einen Lehrerwechsel gab, mussten meine Eltern ins Gymnasium in die Sprechstunden der Lehrer gehen, um sie darüber zu informieren, dass ich CIs trage und was das bedeutet.“

Im Schulalltag wird Emil nun auf verschiedene Arten und Weisen unterstützt: „Ich habe zwar die Möglichkeit, ein paar Vorteile zu nutzen, wie zum Beispiel ein bisschen mehr Zeit bei Schularbeiten, aber ich nutze das nur in Englisch: Da gibt es statt einer Listening Comprehension eine Reading Comprehension“, erzählt Emil. „Ein einziges Mal wurde darauf vergessen, aber ich habe Gott sei Dank trotzdem eine halbwegs gute Note geschafft.“

Frequenzmodulierte Systeme oder Induktionshalsschleifen werden in Emils Schule nicht genutzt. „Ich glaube, die beidseitige Versorgung bringt mir hier Vorteile. Ich brauche die zusätzlichen Hilfen nicht“, sagt der Schüler. Seine Klasse wurde für ihn mit Styropordecken schalloptimiert. „Wir haben auch sehr oft Unterrichtsstunden in anderen Klassen, aber das ist für mich zum Glück nie ein Problem gewesen.“

„Ich werde nicht anders behandelt als meine Klassenkollegen.“

Auch in seiner Klasse geht Emil offen mit dem Thema Hörbeeinträchtigung um. „Am Anfang haben manche meiner Klassenkollegen mich schon gefragt, was ich da am Ohr trage, vor allem, weil sie interessiert an der speziellen Optik waren. CIs sehen ja doch nicht wie Hörgeräte aus.“ Trotzdem wird er in der Klasse nicht anders behandelt als seine Kollegen.

Emil mit seiner Klasse | Bildnachweis: Emil Valenta

Das Thema Gleichbehandlung ist Emil wichtig „Natürlich sollten Lehrer darauf achten, dass der CI versorgte Schüler auch gut mitkommt im Unterricht. Die Eltern sollten unbedingt mit allen Lehrern reden und sie über das Thema aufklären. Ich finde es aber auch wichtig, dass man die Schüler und andere Eltern nicht zu viel damit belastet, weil sie sich dann vielleicht in manchen Situationen benachteiligt fühlen könnten.“

Emils Deutschprofessorin und Vertrauenslehrerin hat uns in einem Gespräch verraten, worauf Lehrpersonen bei CI-SchülerInnen besonders achten sollten.