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Heinz

Kirchberg an der Pielach (Österreich)

Einseitig implantiert
Cochlea-Implantat
Fortschreitender Hörverlust
Pensionist

Seine zunehmende Schwerhörigkeit am rechten Ohr machte dem Maschinenschlosser und Hobbymusiker Heinz schwer zu schaffen. Seit Herbst 2018 hört er mit einem Cochlea-Implantat.

Erfahrungsbericht Heinz

Wann und warum ist dein Hörverlust aufgetreten?

Ich merkte schon mit Mitte Zwanzig, dass ich schlechter höre. Als Maschinenschlosser im Stahlbau und später als Maschinist arbeitete ich immer in einer sehr lauten Umgebung – Knalltrauma inklusive. Daher war meine Schwerhörigkeit nicht verwunderlich. Ich trug Hörgeräte, das reichte für die kommenden Jahrzehnte.

Ich war Anfang 50, als ich drei Hörstürze hatte, den letzten 2017. Am rechten Ohr hörte ich daraufhin gar nichts mehr. Links konnte ich mich mit meinem Hörgerät noch halbwegs verständigen.

Wie hast du persönlich den Hörverlust empfunden?

Die Zeit nach dem dritten Hörsturz war insgesamt schwierig. Ich zog mich sehr aus meinem Freundeskreis zurück, konnte auch nicht mehr in meinem Harmonika-Ensemble spielen und fühlte mich immer öfter niedergeschlagen und deprimiert. Auch der Beruf litt, das Arbeiten war mir aufgrund meiner Schwerhörigkeit irgendwann nicht mehr möglich. Der Tinnitus, der mit den Hörstürzen kam, war ein ständiger belastender Begleiter.

Wann und wie hast du von der Möglichkeit eines Hörimplantats erfahren?
Nach meinem letzten Hörsturz wurde ich im Landesklinikum St. Pölten auf die Möglichkeit eines Cochlea-Implantats aufmerksam gemacht, und ich begab mich auf die Suche nach CI-Trägern mit deren Erfahrungen. Bald wurde ich fündig: Manfred hört seit vielen, vielen Jahren mit einem Cochlea-Implantat. Ich sah aus nächster Nähe und ungeschönt, wie das Leben mit einem Cochlea-Implantat ist und stellte fest, dass es sich kaum von meinem Leben vor den Hörstürzen unterschied. Vor allem aber erkannte ich, wie leicht sich Manfred mit dem Hören tat. Und das, obwohl er wesentlich älter ist als ich und viel schlechter hört.

Wie wurdest du von Ärzten, Freunden oder der Familie unterstützt?
Neben meiner Familie kam die größte Unterstützung von meinem Mentor Manfred. Er ermutigte mich, ebenfalls ein CI in Erwägung zu ziehen, nahm mir die Angst vor der Operation und stellte die Kontakte zu den Stellen her, die es für die Implantation braucht. Manfred begleitete mich von Anfang an. Ohne ihn wäre ich wahrscheinlich noch immer nicht implantiert.
Im Landesklinikum St. Pölten, wo ich mich an der HNO-Klinik mit dem Cochlea-Implantat versorgen ließ, wurde ich ausgezeichnet beraten. Mit meinem Arzt, meiner Audiologin und Musiktherapeutin habe ich bis heute ein sehr gutes Verhältnis.
Wie erging es dir nach der Implantation? Was genießt du am meisten am wieder Hören?
Im Herbst 2018 war es soweit, ich erhielt mein Cochlea-Implantat am rechten Ohr. Sprache verstand ich bald nach der Erstanpassung gut, somit war die tägliche Kommunikation wiederhergestellt, was mich als geselligen Menschen sehr glücklich machte. Doch ich wollte mehr. Ich wollte meine Musik wieder zurück. Manfred ermutigte mich auch dazu. Nach anfänglichen Misserfolgen – meine Harmonika klang für mich schauerlich – stellte sich langsam der Musikgenuss wieder ein. Das ist zu einem großen Teil meinem konsequenten Hörtraining sowie einem stationären Reha-Aufenthalt geschuldet. Nach nicht einmal einem Jahr mit dem CI nehme ich nun begeistert an Harmonika-Workshops teil und spiele wieder in einem Trio. Ich habe auch neue Freundschaften mit anderen CI-Trägern geknüpft, mit denen ich gerne gemeinsam musiziere.  Eine große Bereicherung!
Inwiefern hatten dein Hörverlust und später das Implantat Auswirkungen auf dein Leben oder deine Karriere?
Mein Hörverlust bedeutete das Aus für meine berufliche Laufbahn. Eine Arbeit als Maschinist wäre mit CI undenkbar, das ist viel zu laut. So wurde ich mit Mitte Fünfzig frühpensioniert. Ich mache nun das beste aus der Situation und konzentriere mich auf andere Hobbys, allen voran auf die Musik. Das nächste Projekt ist bereits in Planung, nämlich ein Alphorn-Workshop.
Ich bin ein geselliger, kommunikativer Mensch und habe Freude, spontan mit anderen und für andere zu musizieren. Das verdanke ich meinem Cochlea-Implantat. Andererseits genieße ich auch die „aktive Stille“, zum Beispiel im Wald bei Spaziergängen mit meinem Hund. Selbst wenn es ganz leise ist, lasse ich das CI bewusst an. Es überdeckt nämlich meinen Tinnitus. Das ist auch der Grund, warum ich meinen Audioprozessor gleich nach dem Aufwachen trage und erst beim Schlafengehen wieder ablege.
Was möchtest du Betroffenen und ihren Angehörigen mit auf den Weg geben?
Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus, holen Sie sich Tipps von den Menschen, die ähnliches durchgemacht haben. CI-Selbsthilfegruppen sind ein idealer Treffpunkt dafür. Wagen Sie den Schritt zum Cochlea-Implantat. Der Gewinn an Lebensqualität ist enorm!Kontaktieren Sie unsere Hörpaten (Deutschland) bzw. Hörberater (Österreich), um sich direkt mit Betroffenen auszutauschen: www.hoerpaten.de // www.hoerverlust.at

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